Chorverband Hamburg

Chorverband Hamburg e.V.

Chorverband Hamburg

Sonntag, 28.10.2018

Berliner Begegnungschor zu Gast in Hamburg

Workshop, Konzert, Begegnung.

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„Singen auf den ersten Blick“

Workshop mit Martin Sturm zum Notenverständnis

Das Seminar „Singen auf den ersten Blick – ganz Ohr im Chor“ fand im August 2018 unter der Leitung von Martin Sturm im Atrium New Living Home in Hamburg-Lokstedt statt. Etwa 50 Sänger und Sängerinnen nahmen an der Veranstaltung teil, um in diesem Workshop das Notenlesen und Vom-Blatt-Singen zu erlernen.

Blick auf die Seminarteilnehmer mit Martin Sturm im Vordergrund

Zum Üben bekamen alle Teilnehmer ein Heft mit Notensingbeispielen ausgehändigt. Es fing damit an, Tonschritte von verschiedenen Starttönen auf- und abwärts zu singen. Bei fünf Tonschritten kann man auf den dritten oder fünften Ton springen; schon hat man den Dreiklang gemeistert und kann mit diesen Tonsprüngen eine Menge anfangen. Klappt es einmal nicht, einen Tonsprung richtig zu treffen, singe man die Zwischentöne mit, um den Ton zu finden. Handelt es sich um einen Abwärtssprung, der nicht klappt, singe man den Tonsprung mehrmals hintereinander den umgekehrten Sprung von unten nach oben; beim Wiederholen in korrekter Ausführung hat man quasi hintenherum den Abwärtssprung gemeistert. Die Singübungen waren so konzipiert, dass der Schwierigkeitsgrad stetig anstieg, und sie enthielten gezielt Stolperstellen, an denen dann gearbeitet wurde.

Zwecks Abwechslung nahm Martin gelegentlich seinen Laptop zur Hand und warf mit dem Beamer zur Hilfe einen einzigen Ton an die Wand. Den Ton bewegte er auf Notenlinien in Schritten oder Sprüngen auf- und abwärts, so dass es unmöglich war, die Bewegungsrichtung (= Tonhöhe) vorwegzuahnen. Mit dieser Methode gewöhnte er uns das Voraussingen ab (Singen von Tönen, die gefühlt die nächsten sein könnten), und komplizierte Tonfolgen ließen sich ebenfalls üben. Auch im Kopf mussten wir Tonschritte und -sprünge nach mündlicher Ansage singen, was volle Konzentration erforderte.

Zum Notenlesen zurückkehrend erweiterten wir am Nachmittag den Dreiklang (Grundton mit Terz und Quinte) um die Töne unter dem Grundton und über dem Quintton, so dass sieben Töne einer Tonleiter gesungen werden könnten. Woher bekomme ich den Grundton des Liedes überhaupt? Die frohe Nachricht für uns SängerInnen: den Quintenzirkel brauchen wir nicht auswendig zu lernen! Vielmehr behelfe man sich mit dem Ablesen der Vorzeichen (b und #), um die Tonart des Liedes zu bestimmen und deren Grundton festzustellen (in diesem Seminar beschränkt auf die Dur-Tonarten). Wenige Lieder beginnen mit dem Grundton; unser Blick wurde für das Finden des Einsatztones geschärft – den der Chorleiter vorgibt. Auf ihn zu hören ist durchaus von Vorteil.

Allen Teilnehmern wird der Ausspruch „Am Anfang war der Rhythmus“ (nicht das Wort) im Kopf geblieben sein. Ein Abstecher in die Notenwerte und Taktarten folgte. Martin gab die Rhythmen mit Fingerschnipsen vor, zu denen wir im Kopf die Notenwerte mitzählen sollten. Da das Geräusch der Schnipser eine andere Akkustik als das übliche Klatschen in die Hände oder mit dem Fuß auftreten hat, fand ich sie sehr hilfreich. Wenn es mit dem Nachsingen nicht klappt: Liegt es an den Tönen oder am Rhythmus? Die Lösung des Problems erfolgte dann entsprechend der Ursache: indem entweder die Noten isoliert vom Rhythmus oder der Rhythmus losgelöst von der Tonhöhe geübt wurde. Anschließend wurden Töne und Rhythmus für das richtige Endergebnis übereinander gelegt.

Martin Sturm

Die Anforderungen steigerten sich auf allen Gebieten ständig, aber auch häufiges Wiederholen festigte das bereits Geübte. Akkorde wurde gruppenweise gesungen, um einen Einstieg in das musikalische Hören zu bekommen und welche Rolle die eigene Stimme dabei hat. Dabei wurden Grundtöne und die Akkordtöne im Wechsel verschiedenster Gruppenzusammenstellungen gesungen, und es war einfach nur schön, dem Gesamtklang und der Rolle der eigenen Stimme zu lauschen. Am Sonntag endete der Workshop leider schon am Mittag. Das Singen einfacher Kanons und mehrstimmiger Lieder stand am Ende der beiden Tage.

Wo gesungen wird, stellt sich automatisch gute Laune ein, und Martins Konzept des „betreuten Scheiterns“ wurde wirkungsvoll mit Spaß und Erfolg umgesetzt. Jetzt heißt es „Üben, üben, üben“, um sich zu verbessern und zu steigern, und das hat jeder Teilnehmer in seiner eigenen Verantwortung. Ein fehlerloses von-Blatt-singen konnte in der Kürze des Seminars natürlich nicht erreicht werden, aber die eineinhalb Tage waren mit viel Inhalt gefüllt, der zu Erfolgserlebnissen führte.

Meine anfängliche Hochstimmung in den Tagen nach dem Seminar wich einer gewissen Ernüchterung angesichts der vergleichsweise komplizierteren Chorliteratur, bis mir bewusst wurde, dass das Seminar bei mir eine absolute Verbesserung des Notenlesens nach sich gezogen hat. Bislang war ich mehr textorientiert unterwegs und habe abgewartet, bis sich die Melodie des Singstückes durch Wiederholungen eingeprägt hat. Natürlich habe ich auch zu den Noten hin geguckt, aber eben nur hin (und wieder weg). Hingucken und HINGUCKEN ist ein gewichtiger Unterschied. Für besseres Tönetreffen ist HINGUCKEN weitaus hilfreicher (gemäß dem Chorleiterausspruch, dass alles auf dem Blatt stünde, was, wo, wie und wann zu singen sei). Mit meinem geschärften Blick für Tonschritte und Tonsprünge verfolge ich bewusst dem musikalischen Verlauf und kann meine Stimme besser steuern und beurteilen. Für mich hat sich der Besuch des Workshops auf alle Fälle sehr gelohnt.

Regina Steinkrauss, Langenhorner Gesangverein

Weitere Informationen

www.singen-auf-den-ersten-blick.de

 
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